Großer Zuspruch beim Treffen im Bürgerhaus Wirges
„Das Spannende an dieser Veranstaltung ist, dass die Teilnehmer aus so unterschiedlichen Bereichen stammen. Das gibt ihnen die Möglichkeit, in einen Austausch mit vielen interessanten Gesprächen zu gehen und dabei auch einmal andere Ansätze zu erhalten, um innovative Lösungen zu finden“, begrüßte Landrat Klaus Lütkefedder das Publikum. Neben dem Landrat konnte Netzwerkkoordinatorin Kristin Andree zu Beginn der Veranstaltung noch weitere neue Gesichter vorstellen. Rebekka Sturm wird sie zukünftig beim Netzwerk unterstützen und seit Sommer dieses Jahres hat Alessandra Dierkes die Leitung des Jugendamtes übernommen.

Als erste Referentin sprach Andrea Galitz, Dipl.-Pädagogin, Traumapädagogin und Trauma-zentrierte Fachberaterin sowie Leiterin des Trauma Institut Westerwald. In ihrem sehr kurzweiligen Vortrag ging sie anschaulich auf das herausfordernde und komplexe Thema Trauma ein. Sie erklärte die Entstehung von Traumafolgestörungen und die möglichen Anzeichen, wie zum Beispiel Schlaf- und Essstörungen, Schmerzen, bei Kindern häufig Bauchschmerzen. Oft können diese Symptome alleine bewältigt werden und klingen nach einer Weile ab, doch ab einem gewissen Punkt benötigen Betroffene die Hilfe durch Dritte, die ihnen Hoffnung und Zuversicht geben. „Der Mensch hat immer die Chance ein Trauma zu bewältigen – zu jeder Zeit des Lebens. Das ist beruhigend, braucht manchmal aber auch Zeit,“ gab Andrea Garlitz den Fachkräften mit. Im weiteren Verlauf ging sie auf die Besonderheiten von Traumata im Kindesalter ein. Traumatisierte Kinder zu erkennen, ist gar nicht so einfach. Einige Kinder zeigen ein sehr auffälliges, herausforderndes Verhalten, andere reagieren eher mit Rückzug oder überangepasstem Verhalten.
Auch bei Jugendlichen können sich Traumata ganz unterschiedlich darstellen. Simone Densing, Dipl.-Sozialarbeiterin, Traumapädagogin und Schulsozialarbeiterin, nahm die Anwesenden auf eine Reise durchs Erwachsenwerden einer Teenagerin mit. Nicht fiktiv, sondern die echte Lebensgeschichte eines jungen Mädchens, das in der Schule immer auffälliger wurde, irgendwann zu Drogen griff und sich Randgruppen als ihren Freundeskreis wählte. Während der Schulzeit begleitete Densing das Mädchen. Sie wertete nicht, gab ihr das Gefühl „wir halten das zusammen aus“ und ich bleibe an deiner Seite, egal welchen Mist du machst. Genau das sind die Parameter der Traumapädagogik, die in diesem Fall dazu führte, dass das Mädchen trotz aller Hürden, die Schule mit einem Abschluss beenden konnte.

Die Teilnehmenden der Netzwerkkonferenz zeigten sich bei der Fragerunde zum Ende hin, von der Veranstaltung begeistert und nahmen für ihre tägliche Arbeit viel neuen Input mit. Nicht zuletzt den Satz, den Andrea Galitz während ihres Vortrages zum Verhalten von Traumabetroffenen geprägt hatte: „Liebe mich dann am meisten, wenn ich es am wenigsten verdiene, weil ich es dann am meisten brauche.“

