Drei Landkreise im Kampf gegen Multiresistente

Gegründetes Netzwerk verleiht 46 Qualitätssiegel an Kranken- und Pflegeeinrichtungen

Am 16.11.2016 fand in der Mons-Tabor-Halle in Montabaur eine gemeinsame Veranstaltung der Kreise Westerwald-Altenkirchen und Rhein-Lahn statt, in der 46 Einrichtungen das MRE-Qualitätssiegel erhielten.

Für den Westerwaldkreis konnten alle 4 Akutkrankenhäuser, 16 Alten- und Pflegeheime sowie 2 Ambulante Pflegedienste das Qualitätssiegel erwerben.

Multiresistente Keime (Abk. MRE) sind Keime, die gegen eine Vielzahl, ja fast alle Antibiotika resistent geworden sind und daher eine Gefahr, eine realistisch drohende Lebensgefahr für den Menschen darstellen. Verschiedene Untersuchungen sprechen von jährlich bis zu 40.000 Todesfällen (andere Quellen von "nur" 10.000 bis 15.000) als Folge von rund 600.000 Erkrankungen in Deutschland, die durch multiresistente Keime verursacht werden. Fälschlicherweise wurden diese Keime damals als „Krankenhauskeime“ bezeichnet.

Die Ursache für den sprunghaften Anstieg von MRE in den 90er Jahren ist bekannterweise der unsachgemäße Einsatz von Antibiotika, der Einsatz in der Tierhaltung und vor allen Dingen die unzureichende Hygiene, insbesondere die Händehygiene. In den Blickwinkel der Öffentlichkeit getreten ist damals der MRSA, der multiresistente Staphylococcus aureus. Dieser Erreger spricht aber meistens noch auf einige Reserveantibiotika an, im Gegensatz zu den jetzt zunehmenden multiresistenten Erregern. Diese Keime (MRGN) sind nicht nur gegen einzelne Antibiotika resistent sondern gar mehrfach gegen Antibiotikagruppen, meistens 3 bis 4 Antibiotikagruppen. Die Therapiemöglichkeiten sind daher entsprechend eingeschränkt.

Das 2014 gegründete MRE-Netzwerk hat der Weiterverbreitung von diesen Keimen den Kampf angesagt und durch Kooperation von Krankenhäusern, Alten- und Pflegeeinrichtungen, Ambulanten Pflegediensten, Ärzten und dem Rettungsdienst gemeinsame Hygienerichtlinien zur Verhütung und Verbreitung der Keime erarbeitet.

Über 2 Jahre fanden vielfältige Arbeitssitzungen statt und es wurden über 2.000 Hygienekräfte geschult. Die Schulungen wurden von dem Netzwerkkoordinator Herrn Dr. Dörwaldt, Gesundheitsamt Altenkirchen, vorgenommen und fanden meistens vor Ort in den Einrichtungen statt.

Zur Erlangung des Qualitätssiegels mussten insgesamt 11 Qualitätssiegel mit einer Punktzahl von über 50 % erfüllt werden, insgesamt jedoch waren mindestens 75 % der Gesamtpunktzahl  zu erreichen. Als letztes Qualitätssiegel fand eine Begehung statt, die von den Amtsärzten und Gesundheitsaufsehern aller 3 Kreisgesundheitsämter vorgenommen wurde. Für den Westerwaldkreis konnten dann insgesamt 22 Zertifikate verliehen werden. Herr Landrat Achim Schwickert, der erst später zur Veranstaltung durch Terminüberschneidung hinzukam, nahm die feierliche Übergabe vor. Die Eröffnungsrede übernahm stellvertretend Dr. Ursula Kaiser, Leiterin des Kreisgesundheitsamtes Westerwald.

In einem sehr lebhaften und einträglichen Vortrag von Herrn Dr. Christoph Grabe, Leiter des Gesundheitsamtes Siegen, wurde die Bedeutung der multiresistenten Erreger dargelegt.

Herr Dr. Dörwaldt selbst stellte in seinem Vortrag die Arbeit des Netzwerkes und die Inhalte des Qualitätssiegels dar. Er verwies darauf, dass nach Auskunft des RKI, das Robert-Koch-Institut in Berlin, erstmalig bundesweit ambulante Pflegedienste ein solches Qualitätssiegel erhalten.

In Vertretung für Herrn Landrat Lieber vom Landkreis Altenkirchen sprach Herr Konrad Schwan, Erster Kreisbeigeordneter, Grußworte und Frank Puchtler, Landrat vom Rhein-Lahn-Kreis, hielt die Schlussrede. Das musikalische Rahmenprogramm wurde von 4 jungen Saxophonisten des Landesmusikgymnasiums Montabaur gebildet. Die jungen Leute ernteten vehementen Beifall. Sehr beschwinglich und kurzweilig wurde die Moderation von der Leiterin des Gesundheitsamtes Bad Ems dargeboten.

Insgesamt freuten sich alle ca. 350 Teilnehmer über eine sehr gelungene Veranstaltung in Hoffnung auf weitere Qualifizierungen der noch ausstehenden Einrichtungen in Kreisen.

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